Sonntag, 3. Februar 2008

* Young Boys Bern - FC Basel 2:0

Stade de Suisse, Bern
1. Liga Schweiz – 19.768 Zuschauer (1.500 Gäste)


Nachts in der Jugendherberge Lausanne wurde zu rhythmischen bosnischen Schnarchklängen getanzt und keine Auge zugetan. Dementsprechend nicht ganz fit wurde zu einem morgendlichen Spaziergang am Genfer See aufgebrochen, da sowieso kein halbwegs interessantes Spiel am Vormittag anstand. Bei bestem Wetter jedoch sehr lohnenswert angelegte Zeit, da hier die Welt noch in Ordnung ist und man mal die harte (journalistische) Arbeit vergessen kann, zu der man danach wieder aufbrechen musste. Dank dem Herrn Ellinger, der keine Lust auf den Knaller Neuchâtel – Luzern hatte, blieb mir eben dieses Spiel auch noch erspart und so wurden wir netterweise beim Topspiel des Wochenendes Bern – Basel abgesetzt. In eisiger Kälte durfte gespannt Platz genommen, in einem Stadion, deren Bewertung irgendwo zwischen gut und abartig ausfallen muss. Der Anblick von Aussen erinnert nicht an Fußball und wenn man dann liest, in welcher Etage welches Geschäft des Einkaufszentrums ist… Von Innen sieht das Teil ganz nett aus, wobei Kunstrasen natürlich wieder gar nicht geht. Der obere Teil der Gästeecke füllt sich und eröffnet wird mit Fahnen und Pyro, wogegen die Heimkurve ein Choreographie bietet, auf der etwas steht, das man mit viel Fantasie mit „Unsere Farbe – Unserer Stolz“ (Üsi Farbe – Üse Stouz) übersetzen kann. Deutschsprachig auf dem Papier und doch so fremd. Das Topspiel verdient den Namen wirklich, denn es ergeben sich Chancen zuhauf, meistens auf Seiten der Berner, jedoch meist auch kläglich vergeben. Auch die Stimmung auf beiden Seiten ist ansprechend. Zu Beginn der 2. Halbzeit eine gelungene Provokation der Basler. Es wird eine eroberte Berner Zaunfahne präsentiert und feierlich mit einem Bengalo, gepaart mit einigen weiteren, angezündet. Nachdem diese gut eine halbe Minute lang abbrannte und daraufhin im Gegenzug das verdiente 1:0 für die YB fiel war die Stimmung natürlich auf dem Höhepunkt. Weiterhin ist Bern am Drücker und gewinnt das Topspiel gegen den Spitzenreiter mit 2:0. Dass Basel (trotz Niederlage) in der Schweiz ganz weit vorne ist, ist ja bekannt, Bern kann im eigenen Stadion allerdings auch sehr laut werden und eine aktive Kurve bieten. Allerdings ist absolut unverständlich, warum nach der Fahnenaktion und der Führung im Topspiel auch mal minutenlang fast gar nichts los ist. Eine weitere gute Aktion für die Atmosphäre im Stadion geht von dem Basler Spieler Majstorovic aus. Nach seiner roten Karte muss er zum an der Heimkurve gelegenen Spielertunnel. Nachdem selbstverständlich gegen ihn gepöbelt, provoziert er gut, indem er das Vereinswappen mehrmals küsst. Daraufhin fliegen auch einige Gegenstände. Herrlich! Mit Schlusspfiff ist der relevante Teil des Gästeblocks sofort leer, allerdings ist eine Revanche für die Zaunfahne schwer denkbar. Einerseits aufgrund der fehlenden Besatzung auf Berner Seite, andererseits, weil die Polizei ihre Arbeit gut macht und der Gästemob gut abgeschirmt direkt in den Zug verfrachtet wird. Fazit: Unglaublich, aber wahr! Ein richtig gutes Spiel, das eigentlich alles geboten hat, was man sich wünschen kann, gesehen. Und das in der Schweiz!

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